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Juri Andruchowytsch wurde am 13. März 1960 in Stanislaw (heute: Iwano-Frankiwsk, Ukraine) geboren. Er gehört zu den bekanntesten Autoren der Achtziger”, einer Generation junger Schriftsteller, die bis zur Perestrojka im Untergrund veröffentlichen konnte. Erst Mitte der achtziger Jahre, als sich die Liberalisierung des gesellschaftlichen Lebens auch in der Ukraine auszuwirken begann, erhielten sie die Möglichkeit, in Zeitschriften und Einzelausgaben ihre Werke zu veröffentlichen, aber vor allem Live-Veranstaltungen zu organisieren.

1985 gründete Andruchowytsch zusammen mit seinen Freunden Oleksander Irwanets und Viktor Neborak die heute schon legendäre literarische Performance-Gruppe Bu-Ba-Bu.
Er fiel als Autor immer wieder durch seine provokante Themenwahl auf. 1989 überraschte er mit seiner für damalige sowjetische Verhältnisse unkonventionellen und während seinem Militärdienst geschriebenen Prosa, einer Reihe von satirisch gefärbten Novellen aus dem Leben der Rotarmisten. Einen ähnlichen skandalösen Widerhall hatten seine Romane, die in den neunziger Jahren entstanden und veröffentlicht wurden. In „Rekreation“ („Seitensprünge”) nimmt er 1992 den nationalen Befreiungstaumel in der Ukraine aufs Korn. „Moscoviada“ (1993) entlarvt die Verlogenheit einflußreicher russischer Kulturrepräsentanten, die mit den Emanzipationsbestrebungen der geistigen Eliten der ehemaligen nichtrussischen Republiken konfrontiert sind.

Andruchowytschs Lyrik, die in bisher drei Bänden vorliegt, erschafft eine karnevalistisch-skurrile, fast monströse Zirkuswelt, in der die Grenze zwischen „Physischem“ und „Metaphysischem“ verschwimmt.
In Andruchowytschs Lyrik begegnet der Leser einem kulturhistorischen Kaleidoskop großer Bandbreite. Wie auch andere ukrainische Autoren seiner Generation beschäftigt ihn das Phänomen des Scheiterns aller im Verlauf der Geschichte unternommenen Versuche, die Ukraine als Staat zu begründen, gleichwohl sich seit dem 16. Jahrhundert, eine eigenständige Kulturentwicklung abzeichnete, die Schulwesen, Kunst, Literatur und Geschichtsschreibung umfaßte. Vor diesem Hintergrund widmet Andruchowytschs historischen Gestalten, denen das persönliche Wohlergehen mehr bedeutete als das Schicksal ihres Landes, ironische, zuweilen auch bissige Zeilen. Er zeichnet mit feiner Feder das multikulturelle Leben und Treiben kleiner Leute im einst galizischen Kronland unter den Habsburgern, wobei er aus dieser versunkenen Welt auch eine ganze Reihe historisch verbriefter Villon’scher Typen auferstehen läßt.

Als „Bu-Ba-Bu Patriarch“ präsentiert er seine Texte oft zusammen mit Musikern, Künstlern und Schauspielern, wie z. B. die Poeso-Oper Chrysler Imperial, 1992.

Darüberhinaus schreibt Andruchowytsch Drehbücher und literarische Essays und übersetzt Texte aus der deutschen, polnischen, russischen und englischen Sprache ins Ukrainische, u.a. Lyrik von R.M. Rilke und B. Pasternak, amerikanische Dichtung der Beat Generation sowie Shakespeares Hamlet.
Juri Andruchowytsch war Teilnehmer des Literaturexpress Europa 2000. In 2001 wurde er mit dem Herder-Preis der Alfred Toepfer Stiftung F.V.S., Hamburg, ausgezeichnet.

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